Hautfreundliche Kleidung bei Neurodermitis: Tipps für empfindliche Haut
Wenn Du Neurodermitis hast und Deine Haut oft gereizt ist, dann ist die Auswahl Deiner Kleidungsstücke besonders wichtig. Denn Kleidung steht in direktem Kontakt mit Deiner Haut. In der Regel steckt Dein Körper den Großteil des Tages und oft sogar auch in der Nacht darin.
In diesem Blogbeitrag erfährst Du, welche Funktionen Kleidung hat, worauf du speziell bei sensibler Haut achten und woran Du Dich orientieren kannst, um für Dich angenehme Kleidungsstücke zu finden – auch mit Neurodermitis.
Du erfährst in diesem Blogbeitrag:
- Was Kleidung auf Deiner Haut bewirkt
- Worauf Du bei Kleidungsstücken achten solltest
- Wie Du Dich trotz sensibler Haut in Kleidung wohlfühlst
- Welche Leitfragen Dir bei der Kleiderwahl mit Neurodermitis helfen
- Wie Du mit meinen 10 Tipps Deine Garderobe individuell an Deine Hautbedürfnisse anpasst
Was bewirkt Kleidung auf der Haut?
Heutzutage ist es für uns alltäglich, dass wir den Körper mit Kleidung bedecken. Seit Jahrtausenden gibt es die Kultur der Bekleidung, die unterschiedliche Zwecke erfüllt. Kleidung soll uns zum Beispiel vor Kälte oder vor Hitze schützen. Sie hilft uns, einen starken Regenguss trocken zu überstehen. Sie kann Stellen bedecken, die wir nicht zeigen mögen, oder Hautpartien offenbaren. Heutzutage ist sie vor allem auch Ausdruck unseres Befindens und Statussymbol.
Bei Urvölkern spielt Kleidung eine weniger bedeutende Rolle. Große Teile der Haut werden nicht durch Kleidungsstücke bedeckt. Dadurch ist die Haut insgesamt robuster und interagiert viel mehr mit den natürlichen Umweltbedingungen, wie zum Beispiel der Luft, der Temperatur oder mit Wetterereignissen.
Bei starken Neurodermitisschüben ist es oft angenehm, gar keine Kleidung zu tragen, weil sie die Haut zusätzlich reizt. Ein Wärmestau durch luftundurchlässige Plastikkleidung kann sich dann besonders unangenehm anfühlen. Keine Kleidung zu tragen kommt in unserem Alltag aber eigentlich gar nicht mehr vor, außer im Bereich der Freikörperkultur (FKK) oder wenn wir in unserem Zuhause unbekleidet von der Dusche zum Kleiderschrank gehen. Auch nachts tragen viele Menschen einen Pyjama – die Haut ist also fast durchgängig in Kontakt mit Kleidung.
Deshalb ist es so wichtig, bei Neurodermitis-Symptomen und sensibler Haut angenehme Kleidung zu tragen. Wenn Du Deine Kleidung für Dich stimmig auswählst, kann sie Dir zu mehr Selbstbewusstsein und Wohlbefinden verhelfen – sogar mit Neurodermitis.
Deine zweite Haut: In Kleidung wohlfühlen trotz Juckreiz?
Ich bin erstaunt darüber, dass ich mir erst mit Ende 20 ernsthafte Gedanken zu meiner Garderobe gemacht habe. Nichts liegt bei Hautproblemen näher, als den Kleiderschrank an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Lange habe ich eine Illusion in meiner Garderobe verwirklichen wollen: Die eng anliegende Skinnyjeans, das wunderhübsche Shirt mit hochgeschlossenem Kragen oder die weiße Bluse, bei der man jeden Blutfleck sieht. Doch dann habe ich begriffen, wie wichtig es ist, meine Kleidungsstücke sorgsam und auf meine (Haut-) Bedürfnisse abgestimmt auszuwählen, damit ich mich mit Kleidung am Körper in meiner Haut wohlfühle.
Ausnahmezustand Neurodermitis-Schub
Bei einem akuten Neurodermitisschub ertrage ich manchmal keinerlei Berührung, also auch keine Kleidung auf der Haut. Vielleicht kennst Du das. In solchen Situationen hilft mir ein besonders liebevoller Umgang mit mir selbst am besten. Dazu gehört auch, mich in keine Kleidung zu zwängen, die zwickt, scheuert oder worin sich die Wärme staut. Weit geschnittene Kleidung ist mir dann am angenehmsten.
In besonders intensiven Phasen, in denen sich die Neurodermitis-Symptome nahezu unerträglich anfühlen, ist es spätestens dann besonders wichtig, die Aufmerksamkeit bewusst nach innen zu richten. Statt nur die äußeren Reize im Blick zu haben, schaue ich mit viel Mitgefühl und Achtsamkeit in mein Inneres, um meine Haut als Spiegel meines Innenlebens wahrzunehmen. Oft spüre ich, dass mein Körper alte, tief sitzende Gefühle aus frühen Lebensphasen – etwa aus der Kindheit oder sogar aus der Zeit im Mutterleib – über die Haut zum Ausdruck bringt. Die aktuellen Hautsymptome bei Neurodermitis zeigen sich dabei wie ein Spiegel vergangener, unverarbeiteter Emotionen. Als Erwachsene kann ich diesen inneren Schmerz bewusst fühlen und annehmen und ich bin in der Lage dazu Verantwortung für mein Wohlbefinden zu übernehmen. Auf der Haut angenehme Kleidung zu tragen, gehört für mich mittlerweile selbstverständlich dazu.
Wenn Du mehr zum Thema Neurodermitis als Spiegel Deiner Seele erfahren willst, dann schau mal in diesen Blogbeitrag.
Wenn Kleidung zur Hautpflege wird: 10 Tipps für hautfreundliche Kleidung bei Juckreiz
Wenn meine Haut prickelt oder juckt, wähle ich intuitiv locker geschnittene Kleidungsstücke aus atmungsaktiven Materialien. In ruhigen Hautphasen trage ich die Kleidungsstücke aus meinem Kleiderschrank, die z.B. enger geschnitten sind. Das heißt, ich habe für unterschiedliche Hautzustände auch unterschiedliche Kleidung vorrätig.
Es ist wichtig, dass Du Dir eine individuell zu Deinem Hautgefühl passende Garderobe aufbaust und für unterschiedliche Hautzustände angenehme Teile in Deinem Kleiderschrank hast.
Ich stelle Dir jetzt meine 10 Tipps für hautfreundliche Kleidung bei Neurodermitis vor.
1. Baumwolle, Wolle oder Plastik?
Achte auf das Material Deiner Kleidung. Es sollte möglichst natürlich sein und den Luftaustausch mit der Umgebung ermöglichen. Stoffe aus Baumwolle, Leinen, Hanf oder kühlende Viskose wird von vielen Neurodermitikern als angenehm empfunden. Um Stauwärme zu vermeiden, solltest Du auf Plastikkleidung (u.a. Polyester, Polyacryl, Tencel) verzichten, da hier die Atmungsaktivität eingeschränkt ist. Auch Wolle ist auf der Haut nicht immer gut verträglich. Ob Du Wolle verträgst oder nicht, wirst Du sicherlich schon herausgefunden haben. Du könntest es auch mal mit einem sehr fein gestrickten Mischgewebe aus Wolle und Baumwolle oder aus Kaschmir versuchen. Das ist nicht so kratzig und funktioniert auch oft bei Neurodermitis.
2. Experimentiere mit unterschiedlichen Schnitten
Wenn einige Schnitte für Dich nicht funktionieren, dann versuche es doch einmal mit einer Nummer größer oder insgesamt mehr lockeren Schnitten (z.B. gerade geschnittenen Oberteilen oder Stoffhosen) und oversized-Optionen (z.B. Pullover oder T-Shirts oder Jazzpants statt Yogatights).
Probiere mal, ob Dir statt Skinnyjeans auch eine Straight-Fit gefällt. Ich habe meine Vorliebe für locker sitzende Jeans im Girlfriend-Stil, Bootcut-Stil oder gerade geschnittene Modelle gefunden, die mir wesentlich angenehmer auf der Haut sind. Genauso habe ich erkannt, dass für mich enge Rundhalsausschnitte oder Rollkragenpullover schwierig sind, da ich am Hals und Dekolleté sehr sensibel bin und mir dort aufliegender Stoff unangenehm ist. Deshalb ziehen überwiegend Oberteile mit V-Ausschnitt in meinen Kleiderschrank ein. Experimentiere also auch mit unterschiedlichen Kragenausschnitten oder Ärmellängen.
3. Nutze das Zwiebel-Prinzip
Nutze das Zwiebelprinzip, um Stauwärme vorzubeugen und Dich an die Umgebungstemperatur anzupassen. So hast Du die Möglichkeit jederzeit mehr oder weniger Luft an Deine Haut zu lassen. Gerade im Winter ist das vorteilhaft, wenn Du von draußen nach drinnen wechselst. Im Sommer kann außerdem ein Fächer sehr hilfreich sein, um die schwitzende Haut zu kühlen.
4. Eine Etage tiefer: Deine Unterwäsche
Essentiell ist angenehme Unterwäsche aus natürlichem, atmungsaktiven Material wie Baumwolle. Es ist, vor allem für Frauen, gar nicht einfach, Unterwäsche aus Baumwolle zu finden, weil der Großteil der Produkte erschreckenderweise mittlerweile aus Plastik wie Polyester oder Acryl gefertigt wird. Auch aufpassen sollte man bei Bezeichnungen wie Tencel oder Lyocell, da auch das synthetische Materialien sind. Viskose ist ebenfalls stark verarbeitet, auch wenn sie sich auf Holzfaser zurückführen lässt.
Damit keine zusätzlichen Reize auf der Haut entstehen, kannst Du darauf achten, dass Deine Unterwäsche sanfte Ränder mit flachen oder extra breiten Nähten hat, damit diese nicht einschneiden. Das ist zugleich auch förderlich für das Lymphsystem, da einschneidende Kleidungsstücke auch den Lympffluss stören können.
5. Locker-flockig: Kleider, Kaftans, Kimonos
Kleider, Kaftans oder Kimonos sind in akuten Hautphasen ideal, weil sie im Vergleich zu Hosen deutlich weniger direkten Hautkontakt haben – vor allem an empfindlichen Stellen wie den Kniekehlen. Gleichzeitig bieten sie viel Luftzirkulation und verhindern einen Wärmestau, was bei Neurodermitis-Schüben besonders wohltuend ist.
Ein weiterer Vorteil: Wenn das Hautgefühl es zulässt, lassen sich Kleider mit einem Taillengürtel auch schnell figurbetont stylen – ohne auf Komfort verzichten zu müssen. So fühle ich mich trotz sensibler Haut modisch und wohl in meiner Kleidung.
Für das Zuhause kann ich auch Bademäntel sehr empfehlen. Auch da gilt es, den für sich passenden Schnitt und Stoffstärke auszusuchen.
6. Was ist mit Strumpfhosen?
Strumpfhosen sind bei akuten Neurodermitis-Schüben problematisch, weil sie eng auf der Haut liegen und durch das austretende Wundwasser bei aufgekratzten Stellen auch mal an der Haut festkleben können. Das ist sehr unangenehm. In solchen Fällen rate ich immer zu weit geschnittenen Hosen, Röcken oder Kleidern.
Wenn die Haut aber nicht akut juckt, kann ich Strumpfhosen aus reiner Baumwolle, ggf. auch in einer Nummer größer, sehr empfehlen. Reine Baumwolle fühlt sich auf der Haut einfach viel besser an als synthetische Stoffe wie Nylon.
7. Zarte Schritte trotz Neurodermitis: Schuhe
Häufig sind die Füße nicht von Neurodermitis-Symptomen betroffen. Deshalb gibt es hier oft viel mehr Spielraum, was die Auswahl von Schuhmodellen angeht. Wenn man bei einem Neurodermitis-Schub eher weit geschnittene Kleidung trägt, kann man z.B. mit zarten Riemchensandalen wieder mehr Zartheit ins Outfit bringen. Solche Stilbrüche können sehr aufregend wirken und es tut gut, bei Schuhen einfach nach Lust und Laune wählen zu können.
Wenn aber auch die Füße betroffen sind, können im Sommer offene Schuhe mit wenig und eher breiten Riemen und grundsätzlich Barfußschuhe angenehm sein. Barfuß laufen und die Füße z.B. auf einer Wiese zu erden tut immer gut und kann sogar eine angenehm-kühlende Wirkung haben.
8. Schmuck, der zu Dir und Deiner Haut passt
Schmuck kann wunderschön sein, aber bei empfindlicher Haut nicht immer gut verträglich. Vielleicht kennst Du das auch: Eine Halskette reizt Dich schnell, aber ein Armband am Handgelenk geht meist gut? Bei mir verursachen Ohrringe manchmal allergische Reaktionen, weshalb ich sie nur unregelmäßig oder zu besonderen Anlässen trage. Probiere aus, welche Körperstellen geschmückt werden wollen und welche Materialien Deine Haut mag – Holz, Perlen oder Textil sind oft sanfter als Metall. Wenn Du Metall tragen möchtest, sind Titan oder Platin in vielen Fällen allergikerfreundlich. Sei kreativ und entwickle Deinen ganz eigenen Schmuckstil.
9. Mach’s dir passend: Kleidung individuell für Deine Haut
Besonders bei Neurodermitis muss sich Kleidung gut anfühlen – nicht einengen, nicht kratzen, einfach stimmen. Wenn Du (so wie ich) oft das Gefühl hast, dass nichts so richtig angenehm ist, lohnt es sich, selbst aktiv zu werden: Nähe Dir Kleidung, die genau auf Deine Hautbedürfnisse zugeschnitten ist, oder lass Lieblingsstücke von einer Schneiderin anpassen. So bestimmst Du selbst, welche Stoffe auf Deine Haut kommen, wo Nähte verlaufen und wie locker oder körpernah ein Kleidungsstück sitzt. Du musst Dich nicht mit Standardlösungen zufriedengeben. Du kannst dir Kleidung schaffen, die zu Deinen Hautbedürfnissen und zu Deinem Wohlgefühl passt.
10. Sei es Dir wert!
Sei es Dir wert, Kleidung zu tragen, die nicht nur gut aussieht, sondern sich auch richtig gut anfühlt – auf Deiner Haut und in Deinem Alltag. Gerade bei empfindlicher Haut macht es einen großen Unterschied, ob Stoffe kratzen oder atmen können. Manchmal lohnt es sich, ein bisschen länger zu sparen und dafür in hochwertige Kleidung aus natürlichen Materialien zu investieren. Denn wenn Du Dich in Deiner Kleidung wohlfühlst, strahlst Du das auch aus – egal ob mit oder ohne Neurodermitis. Also sei es Dir wert, Deine Kleidung so auszuwählen, dass sie zu Dir und Deinem Hautgefühl passt.
10 Leitfragen für Deinen Kleiderschrank mit Neurodermitis
Willst Du Dir nun auch endlich eine für Dich und Deine Haut angenehme Garderobe aufbauen? Dann nutze meine zehn Leitfragen, um zu prüfen, ob Deine Kleidungsstücke zu Deinen Hautbedürfnissen passen. Die Leitfragen helfen Dir, neue Kleidungsstücke zukünftig besser auszuwählen und Deinen jetzigen Kleiderschrank effektiv auszumisten.
- Welche Kleidungsstücke trage ich gerne und regelmäßig?
- Welche Kleidungsstücke trage ich kaum bis gar nicht? Woran liegt das? (Am Schnitt, am Material, am Komfort…?)
- Ist meine Kleiderauswahl an meine (Haut-)Bedürfnisse angepasst?
- Kann ich einzelne Teile verändern, um sie für mich tragbar zu machen? (z.B. durch den Schneider?)
- Fühlen sich weite, lockere Schnitte auf meiner Haut angenehmer an, als enge Schnitte oder ist es genau andersherum?
- Welche Kragenform ist für mich am angenehmsten?
- Welches Material trage ich am liebsten auf der Haut?
- Muss ich einen BH tragen oder probiere ich es mal ohne?
- Fühle ich mich wohl nachts mit oder ohne Pyjama zu schlafen?
- Erlaube ich mir, mindestens Zuhause nur solche Kleidung zu tragen, in der ich mich in meiner Haut rundum wohlfühle?
Bonus Tipp für Deine Kleiderwahl bei Neurodermitis
Es lohnt sich, neue Kleidungsstücke nicht nur nach der Optik, sondern nach dem Wohlgefühl und der Qualität auszuwählen. Ich mache es mittlerweile so, dass ich meistens noch mindestens eine Nacht darüber schlafe, bevor ich etwas wirklich kaufe. So stelle ich sicher, dass ich keine Impulskäufe tätige und in Ruhe anhand der zehn Leitfragen nachspüren kann, ob mein Körper dieses Kleidungsstück auch wirklich tragen will.
Was sind Deine Erfahrungen?
👚 In welchen Kleidungsstücken fühlst Du Dich mit Neurodermitis besonders wohl?
🔍 Hast Du weitere Tipps parat?
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Ich freue mich außerdem, wenn Du diesen Blogartikel teilst und weiterempfiehlst. Damit hilfst Du mir, noch mehr Menschen mit Neurodermitis auf dem Weg zu ihrer Hautgesundheit zu erreichen.
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Alles Liebe
Hi, ich bin Catherina
...Neurodermitis-Expertin und feinfühliger Mensch mit Leib und Seele. Ich begleite Dich in meinem Blog auf Deiner Reise zu Dir selbst und zu Deiner Hautgesundheit. Wenn Du mehr über mich und meine Motivation erfahren willst, dann klick auf mein Bild!