Die Kraft der Psyche: wie sie uns bei Neurodermitis schützt
Neurodermitis in der Kindheit hinterlässt oft mehr als nur körperliche Spuren – sie prägt auch die kindliche Psyche. Früh entwickelte Überlebensstrategien wirken oft unbewusst bis ins Erwachsenenalter weiter. Erst jetzt ist es möglich zu erkennen, dass bestimmte Denk- oder Verhaltensmuster ihren Ursprung in frühen, überwältigenden Erfahrungen haben. Dieses Erkennen ist der erste Schritt zur Rückverbindung: zur behutsamen Annäherung an die damals abgespaltenen inneren Anteile.
In diesem Blogbeitrag erfährst du, wie solche Muster entstehen, warum sie einst wichtig waren – und wie Du heute wieder in Kontakt mit abgespaltenen Anteilen kommen kannst.
Du erfährst in diesem Blogbeitrag:
- Wie uns innere Schutzmechanismen vor überwältigenden Gefühlen schützen
- Was die Psyche mit Neurodermitis zu tun hat
- Weshalb unsere Kindheit Einfluss auf unser Erwachsensein hat
- Wieso der Zauber in der Hingabe liegt
- Wie Du abgespaltene innere Anteile wieder integrieren kannst
Pure Verzweiflung
Heute schreibe ich einfach, ohne die Erwartung, daraus sofort einen perfekten Blogbeitrag zu kreieren. Und dennoch schwingt dieser Gedanke mit. Unweigerlich. Genauso unweigerlich wie die Panik, die mich überkommt, wenn mich der nächste Juckreizschub überfällt. Das Gefühl der Verzweiflung kommt auf. Wenn ich in mich hinein frage, wie alt dieses Gefühl der Verzweiflung ist, spüre ich, dass es mindestens genauso alt ist, wie ich Neurodermitis-Symptome habe – 33 Jahre.
Auch, wenn ich mich nicht bewusst erinnern kann, muss ich dieses Gefühl der Verzweiflung schon damals als Baby gehabt haben, als die Neurodermitis-Symptome mit neun Monaten zum ersten Mal auftraten. Die Verzweiflung, in einem Körper zu sein, der sich nicht aushalten ließ – ein Körper, aus dem ich nicht fliehen konnte. Oder etwa doch?
Die Flucht aus dem eigenen Körper: Auf Spurensuche in der frühen Kindheit
Hier beginnt es interessant zu werden: Im Kontext einer Aufstellung von Gefühlen habe ich herausgefunden, dass innere Anteile von mir damals tatsächlich aus dem Erleben im Körper geflohen sind. Was meine ich damit?
Als innere Anteile, oder auch nur Anteile, bezeichne ich unterschiedliche Aspekte oder Strukturen des eigenen Wesens, des eigenen Selbst. In der Psychologie wird auch oft von Persönlichkeitsanteilen oder Ich-Anteilen gesprochen. Jeder von uns hat zahlreiche Anteile. Das Erstaunliche ist, dass wir sie nicht alle bewusst wahrnehmen – insbesondere dann nicht, wenn sie schon sehr alt sind.
Oft stecken wir in inneren Mustern oder Strukturen fest, die ganz automatisch und unbewusst ablaufen. Manchmal merken wir das erst, wenn etwas im Außen – ein sogenannter Trigger – eine starke Reaktion in uns auslöst und wir darüber nachdenken, wie wir uns fühlen. Ein Trigger ist also ein äußerer Auslöser, der in unserem Inneren etwas in Bewegung bringt. Plötzlich tauchen alte Gefühle auf, oft verbunden mit körperlichen oder emotionalen Reaktionen. Diese Reaktionen werden von unseren inneren Anteilen – also Teilen unserer Psyche – gesteuert. Meistens wollen sie uns damit vor unangenehmen Gefühlen schützen oder helfen, diese zu verdrängen. Aber warum passiert das eigentlich – und was hat das mit Neurodermitis zu tun?
Wie schützt uns unsere Psyche vor zu intensiven Gefühls- oder Körperzuständen bei Neurodermitis?
Den Körperzustand mit Neurodermitis in seinem ganzen Ausmaß zu fühlen könnte ein Baby nicht überleben. Überwältigende Gefühlszustände, wie sie bei extremem Stress oder nach traumatischen Erlebnissen auftreten, können für die Psyche so belastend sein, dass sie diese Erfahrungen abspaltet. Dieser Schutzmechanismus wird als Dissoziation bezeichnet und hilft dem Menschen, mit überwältigenden Emotionen besser klarzukommen. Wichtig zu wissen ist, dass Dissoziation nicht mit Absicht passiert, sondern ein unbewusster Schutzmechanismus der Psyche ist. Selbst als Erwachsene fühlt sich ein starker Juckreizschub überwältigend an. Wie schlimm muss es erst damals als Baby gewesen sein?
Insbesondere als Babys und Kinder sind wir nicht immer in der Lage, traumatische Erfahrungen und die dadurch ausgelösten Gefühle zu verarbeiten. Die Intensität dieser Zustände würde uns zerstören und kann Babys tatsächlich umbringen. Wenn die Mutter auf der Gefühlsebene für das Baby oder Kleinkind nicht erreichbar ist, verstärkt das die psychischen Verdrängungsreaktionen nochmal erheblich.
Abspaltung innerer Anteile – das weggesperrte Paket im Keller
Damit wir über die Kapazitätsgrenze hinausgehende Gefühlszustände überleben, spaltet unsere Psyche schmerzhafte Erlebnisse oder intensive Gefühle ab und verpackt sie tief im Unterbewusstsein. Dort verweilen die verdrängten Gefühle nicht selten bis ins Erwachsenenalter. Solange sie nicht bewusst integriert werden, fallen wir jedes Mal, wenn es einen Trigger im außen gibt, wieder in den dissoziativen Zustand.
Wenn sich belastende Zustände wiederholen ist das häufig ein Anzeichen dafür, dass ein bestimmtes traumatisches Erlebnis noch unerkannt ist und die dazugehörigen Gefühle von Dir annehmend integriert werden wollen.
Stell Dir vor, Du lebst in einem Haus. Als Kind bekommst Du ein Paket geschenkt, das viel zu schwer für Dich ist. Du lässt es fallen, und es rollt bis ganz in den Keller. Dort liegt es versteckt – Du siehst es nicht mehr und musst die Last auch erstmal nicht spüren.
Damit Du nicht ständig an das schwere Paket im Keller erinnert wirst, sorgt Deine innere Welt für Ablenkung. Es entstehen Wege auf der Handlungsebene, die Dir helfen, das Verdrängte fernzuhalten. Vielleicht haben Teile von Dir eine Tür zum Keller eingebaut, damit Du nicht mehr hineinschauen musst. Oder sie haben das Licht dort ausgeschaltet, damit Du gar nicht erst siehst, was, geschweige denn, das etwas unten liegt.
Doch wenn in Deinem Leben durch eine Trigger-Situation z.B. plötzlich jemand das Licht einschaltet oder, wenn Du in den Keller gehen musst, um Vorräte zu holen wirst Du an das Paket erinnert. In Deiner Erinnerung ist verankert, dass das Paket viel zu schwer für Dich ist und unmöglich es hochzuheben. Deshalb lässt Du es mal für mal im Keller liegen und wendest die Verdrängungsmechanismen an. Du schaltest das Kellerlicht immer wieder aus und verriegelst die Kellertür von Mal zu Mal mit weiteren Schlössern, um nicht an das Paket erinnert zu werden. Und doch weißt Du, dass es da ist.
Eines Tages stehst Du wieder im Keller und dein Blick fällt erneut auf das Paket. Doch diesmal ist etwas anders: Ein Impuls regt sich in Dir, näher heranzugehen und es genauer zu betrachten. Und plötzlich bemerkst Du, dass es viel kleiner ist, als Du es in Erinnerung hattest.
Mit diesem neuen Eindruck kehrst Du wieder nach oben zurück. Fast automatisch schaltest Du das Licht aus und schließt die vielen Schlösser der Tür hinter Dir.
Nach und nach, bei weiteren Besuchen im Keller, wächst vielleicht der Wunsch, das Paket in die Hand zu nehmen. Und dann passiert etwas Unerwartetes: Du stellst fest, dass es gar nicht mehr schwer ist. Du kannst es heben – mit Erstaunen. Neugierig wirst Du, was sich darin verbirgt. Als Erwachsene hast Du nun die Kraft, das Paket mit nach oben zu nehmen, es zu öffnen und Dich dem, was darin verborgen war, zuzuwenden. Du bist bereit, heute zu fühlen, was Du als Baby oder kleines Kind nicht fühlen konntest und das Paket wieder zu Dir zu nehmen. In diesem Moment entsteht eine Verbindung zu Dir selbst als Baby oder Kleinkind – liebevoll, aufrichtig und mitfühlend.
Wenn der Keller als Symbol für unser Unterbewusstsein steht und das Haus für unser ganzes Selbst, dann enthält dieses Paket unsere inneren, einst abgespaltenen Anteile. Es schützt sie – so lange, bis wir bereit sind, ihnen zu begegnen. Indem wir unsere Gefühle wahrnehmen und ihnen Raum geben, gelingt es uns, wieder Kontakt zu diesen Anteilen aufzunehmen – und ein Stück mehr ganz zu werden.
Die Kunst der Hingabe: Ganz werden beginnt mit einem „Ja“
Als Erwachsene sind wir also in der Lage dazu, intensive Gefühle und Erlebnisse wahrzunehmen und zu verarbeiten. Doch unser Unterbewusstsein weiß nicht, wie alt wir sind und dass wir mittlerweile erwachsen sind. Deshalb fallen wir im Autopilot in die als Baby oder Kind erlernten Kompensations- und Verhaltensmuster. Die Schutzstrukturen, die wir als Kinder entwickelten, um zu überleben, begleiten uns mitunter bis ins Erwachsenenalter, auch wenn wir die Strukturen oder Kompensationen gar nicht mehr zum überleben benötigen.
Bei mir löst ein starker Juckreizschub Dissoziation aus. Lange Zeit habe ich dafür das Wort Trance benutzt, bis mir dann plötzlich klar wurde, dass das gar nicht das passende Wort ist. Denn innere Anteile von mir fliehen auch heute als Erwachsene noch aus meinem Körper und das passende Wort lautet hier vielmehr Dissoziation. Diesen Zustand, der mich schon damals als Kind begleitete umschrieb meine Lehrerin gern als „Löcher in die Luft starren“ und wurde von Klassenkameraden „apathisch“ bezeichnet. Ich habe immer mitbekommen, dass ich mich sehr weit weg fühlte, aber hatte bis ins Erwachsenenalter die Rückverbindung zu mir als Baby, zu meinem inneren Kind, nicht erkannt.
Und genau hier kommt der Wendepunkt: Es ist an der Zeit, diese alten Strukturen wahrzunehmen und sich den dahinterliegenden Gefühlen heute als Erwachsene hinzugeben. In der Hingabe zu den Gefühlen liegt der Zauber. Und in dem „Ja“, es darf da sein, was sich zeigt. Denn es ist sowieso da, was da ist. Dissoziation darf da sein. Verzweiflung darf da sein. Auch der Widerstand und das Unbehagen dürfen da sein. Indem ich meiner inneren Kindheitserfahrung einen Raum gebe, entsteht ein „Ja“ zu meiner Vergangenheit und zu den Erfahrungen und Gefühlen, die mich geprägt haben. Das Unterbewusstsein bzw. mein inneres Kind lässt einen Lichtstrahl auf die abgespaltenen Anteile fallen mit der Hoffnung, dass ich sie als Erwachsene erkenne und zu mir nehme. Wem sonst kann sich mein inneres Kind damit zeigen? Für sie gibt es nur mich als Erwachsene, als Große, als Mama. Wenn ich mir das klar mache, wird es ein bisschen leichter, in die Annahme zu gehen. Diese bedingungslose Annahme ist der Schlüssel, um ganz zu werden und alte, verdrängte Gefühle zu integrieren.
Das Gefühl darf da sein: Annahme statt Flucht
Oft lege ich meine Hände auf Bauch und Herz, weil es mir hilft, mich mit den sich zeigenden Gefühlen in meinem inneren Kind zu verbinden. Manchmal fühle ich Traurigkeit, manchmal Verzweiflung, manchmal Freude, manchmal Verrücktheit oder Angst. Egal, was es ist. Es darf vor mir da sein. Denn der Schmerz wird dann nur noch als Schmerz wahrgenommen – nicht mehr als leidvolle Erfahrung. Und die Traurigkeit fühlt sich gesehen und es kommt Leichtigkeit hinzu.
Manchmal gelingt es mir aber auch absolut nicht, die Gefühle, die ich gerade habe, da sein zu lassen. Sei es die Verzweiflung, die sich nach wie vor unerträglich anfühlt. Ich erinnere mich in diesen Momenten daran, dass es das Gefühl von mir als Baby ist. Ich habe damals pure Verzweiflung gespürt, wenn der Juckreiz nicht nachließ. Wenn ich also einen Widerstand, ein „Nein“, wahrnehme, versuche ich das „Nein“ da sein zu lassen. Auch das „Nein“ und der Widerstand dürfen da sein. Wenn auch das noch nicht da sein darf, gehe ich dazu in die Annahme. Das kann man solange wiederholen, bis man irgendwann auf einer Ebene einen Zugang zu sich findet und etwas in die Annahme kommt. Oft muss ich tief durchatmen, seufzen oder gähnen, wenn es mir gelungen ist, „Ja“ zu dem zu sagen, was sich mir zeigt.
Ich frage mich begleitend auch oft:
→ Wie geht es meinem Gefühl, wenn es da sein darf?
→ Wie geht es dem Widerstand, wenn er da sein darf?
→ Wie geht es der Verzweiflung, wenn sie da sein darf?
Und so weiter.
Es ist wie ein innerer Dialog und ich stelle mir dabei vor, dass ich auf einem neutralen Platz in mir sitze und beobachtend wahrnehme, was sich zeigt. Es kann gerade zu Beginn auch hilfreich sein, wenn Du erstmal übst, Dir einen Raum zu schaffen, wo sich Gefühle zeigen dürfen. Zum Beispiel durch Meditation. Wichtig ist, dass sie nicht dazu dienen soll, etwas wegzumeditieren, sondern vielmehr unterstützten soll in die Wahrnehmung der eigenen Gefühle zu gelangen.
Was sind Deine Erfahrungen?
👥 Hast Du Dich schon mal mit Deinen inneren Anteilen auseinandergesetzt?
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Hi, ich bin Catherina
...Neurodermitis-Expertin und feinfühliger Mensch mit Leib und Seele. Ich begleite Dich in meinem Blog auf Deiner Reise zu Dir selbst und zu Deiner Hautgesundheit. Wenn Du mehr über mich und meine Motivation erfahren willst, dann klick auf mein Bild!